„Wir wurden von vielen Ensembles kopiert“

06.02.2013

Selbstbewusst und stimmlich stark: Die Edinger-Chöre gaben ihre Neujahrsmatinee in der Scheuer des Obsthofs Jäck

Schriesheim. (Von Stephanie Kuntermann)

„Wir waren die Ersten, die sich getraut haben, Gospel zu singen“, sagt Dietrich Edinger. Das Wort „getraut“ mag etwas verwundern, wenn man dem Chorleiter beim Dirigieren über die Schulter schaut. Seine beiden Chöre, den Konzertchor Lobdengau und das Vokalensemble, hat er jedenfalls restlos überzeugt von den traditionellen Liedern: Sängerinnen und Sänger sind mit großer Begeisterung bei der Sache, beherrschen das gesamte Repertoire auswendig und unterstreichen ihre Texte mit schwungvollen Tanz-Einlagen. Mittendrin stehen ihre Kinder, die mal mitsingen und mal mit großen Augen der Musik lauschen.

Keines von ihnen war schon auf der Welt, als die Chöre 1994 mit dem Gospelsingen anfingen und ihre ersten Erfolge einheimsten. „Wir wurden später von ganz vielen Ensembles kopiert“, sagt Edinger stolz. Weshalb später zu den Gospels auch noch Pop-Klassiker kamen, deren Chorsätze zum Teil aus Edingers Feder stammen.

Das ganze Jahr über wird an dem Programm gefeilt, das zum Jahresende Stoff für ein anderthalbstündiges Programm hergibt. Drei Konzerte mit insgesamt 1100 Zuschauern krönten im Spätjahr die Bemühungen der knapp 50 Sängerinnen und Sänger, und auch in diesem Jahr soll es wieder Konzerte geben. Weshalb Edinger die Chöre als „kulturelles Aushängeschild der Stadt Ladenburg“ sieht.

Weniger um kulturelle Höchstleistungen, sondern eher um ein gemütliches Beisammensein mit Musik geht es dagegen, wenn „Edi“ zur traditionellen Neujahrsmatinee in die Jäck’sche Feldscheuer einlädt. Da gehört es zum Programm, dass die Hausherren Ludwig und Peter Jäck das Programm mit einem Trompeten-Duo eröffnen, bevor der Chor ein paar Kostproben aus seinem Repertoire gibt. Dabei zeigt es sich, dass es auch keinen Mut braucht, um vor dem dortigen Publikum Gospel zu singen.

„Uyingcwele Baba“ ist ein Stück mit Ohrwurm-Qualitäten, das mehrstimmige „Soon and very soon“, das vom Chorleiter am Klavier begleitet wird, bringt die Zuhörer zum Mitklatschen, und schon verbreitet sich gute Laune in der Feldscheuer. Dort sieht man an diesem Morgen wenige Schriesheimer, dafür aber viele Gäste aus Ladenburg und Hirschberg. „Im 18. Jahr unseres Bestehens sind wir wieder nach Ladenburg zurückgekehrt“, wendet sich Konzertchor-Vorsitzender Adolf Wunderlich vor allem an die Gäste aus der Römerstadt, darunter Bürgermeister-Stellvertreterin Gudrun Ruster. Bürgermeister Rainer Zieglers Unterstützung sei es zu verdanken, dass der Chor im „Haus des Kindes“ in der Lustgartenstraße neue Probenräume fand, dankt Wunderlich. Später übernimmt die Combo der Seckenheimer „Zabbe“ das Mikrofon, die an diesem Vormittag für „Ray and the Nightcrawlers“ einspringt. Die Rockband, die die Scheuer im vergangenen Jahr zum Beben brachte, musste kurzfristig absagen. Die „Zabbe“ sind musikalisch anderswo verortet.Das wird gleich klar, als die Band um Jürgen Zink loslegt: „An der Straße nach San Fernando…“ und die Schlagerfans in den Refrain von „Mendocino“ einfallen. Wenn sie nicht gerade den Mund voll haben, gibt es doch dazu Prager Schinken oder Kaffee und Kuchen.

© Rhein-Neckar-Zeitung, Donnerstag, 31.01.2013

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