Musikalische Eroberung des Paradieses

14.01.2019

Edinger-Chöre begeisterten mit ihrem Konzert „Conquest of Paradise” in der Evangelischen Stadtkirche – und zeigte mit 25 Titeln, „dass der Chorgesang lebt“

Der 1970 komponierte Gospel „Put your hand in the hand“ stand recht weit unten im Programm – und markierte dennoch noch einmal eine Steigerung des bis dahin durchweg hervorragenden Programms. Ergebnis: ein hingerissen den Rhythmus mitklatschendes Publikum, aus dessen Reihen nicht zuletzt angesichts der großen Klassen von Solistin Jeannette Friedrich ein deutliches „Super!“ zu vernehmen war. Die Edinger-Chöre bescherten beim traditionellen Chorkonzert in der voll besetzten Evangelischen Stadtkirche unter Leitung ihres Chordirektors Dietrich Edinger erneut mitreißende musikalische Höhenflüge.

„Lassen Sie uns das musikalische Paradies heute Abend erobern und genießen“, hatte eingangs Moderator Jürgen Zink in Anspielung auf den Konzert-Titel „Conquest of Paradise“ eingeladen. Was zweifellos gelang: Mit stehende Ovationen bedankten sich schließlich die Gäste nach über anderthalb begeisternden Stunden, angefüllt mit 25 Melodien plus nachdrücklich geforderten Zugaben: Gospels, Evergreens, Popsongs, Hits und Schlager – jeweils von Edinger bearbeitet und seinen Sängerinnen und Sängern bis hin zum siebenstimmigen Arrangement quasi auf den Leib geschrieben.

Schon die Eröffnung des 25-minütigen Eingangsmedleys war ansprechend inszeniert: Lediglich die Solisten Jeannette Friedrich und Matthias Fischer standen zunächst auf der spärlich beleuchteten Bühne und stimmten „Oh danny boy“ an, begleitet von Edinger am Klavier und der „Zwei-Mann-Bigband“, nämlich Bernd Krämer (Querflöte) und Christian Dobirr (Schlagzeug). Dazu gesellte sich das Vocal-Ensemble, woraufhin sich zu „Moon River“ der Konzertchor Lobdengau einfand. Seit ihrer Gründung 1994 machen sie bei Auftritten erfolgreich gemeinsame Sache, aber „24 Jahre sind ja kein Alter für einen Chor“, sagte Zink und wagte einen vorsichtigen Ausblick auf ein groß zu feierndes 25-jähriges Jubiläum 2019. Der Vorsitzende des Kurpfälzer Chorverbandes Mannheim, der sich an dieser Stelle erstmal mit einem Solo empfahl und damit sein Versprechen vom letzten Jahr einlöste, kam natürlich auch auf weitere musikalische Meilensteine zu sprechen: „Was 1968 in Heddesheim begann, wurde vor Kurzem mit einer großen Chorgala im ausverkauften Musensaal des Rosengartens gefeiert.“ Die Rede ist von Dietrich Edingers 50-jährigem Chorleiterjubiläum. Stolz und hochmotiviert sei man gewesen, zeigen zu können, „dass der Chorgesang lebt“.

Und auch die Edinger-Chöre bestätigten dies mit Bravour: Mit Titeln wie etwa „Fernando“ des legendären schwedischen Quartetts Abba, dem so ruhig beginnenden und sukzessive anschwellenden „Somewhere over the rainbow“, also der Filmusik aus dem „Zauber von Oz“ aus den späten Dreißigerjahren, oder auch den „Streets of London“. Brillant auch die Les-Humphrey-Gospels „Rock my soul“ und „We are going down Jordan“ oder die deutsche „Earth Song“-Version des verstorbenen King of Pop mit diesem eindringlich verzweifelten Ruf: „Was ist mit uns?“

Um es salopp zu formulieren: Bei den Edinger-Chören, in deren Konzerten der Funke nicht lange fackelt, bevor er überspringt, „geht die Post ab, da steckt Power dahinter“, wie Moderator Zink frohlockte. Zwar sei er, Zink, im Vorfeld instruiert worden, nicht so viel zu loben, wie er auf sympathische Art bekannte, konnte und wollte sich manch anerkennende Worte aber dennoch nicht verkneifen: für die „ganz hervorragenden Solisten“, zu denen auch Manuela Göpfrich zählt, die Chorleistung des stets auswendig vorgetragenen Repertoires sowie der Choreografien, diesmal sogar mit erhobenen Kerzen, und ganz besonders das Engagement Dietrich Edingers, des „Motors der Gruppe“. Der habe zwar angekündigt, künftig etwas kürzertreten zu wollen, „aber seit er das gesagt hat, haben wir das Gefühl, dass er erst so richtig Gas gibt“. Auch ein bisschen Alters-Geplänkel, längst zum Running Gag geworden, musste sein. Zink wollte dazu eigentlich des Chordirektors kleine Enkelin Marlene mit ins Boot holen, die jedoch anderes im Sinn hatte, woraufhin der Moderator umdisponierte: „Dann sehen wir uns in zwei Jahren auf der großen Geburtstagsparty.“

Edinger seinerseits widmete den lang anhaltenden Beifall seinen Chören, bedankte sich bei mit Handschlag bei den Solisten sowie bei Jürgen Zink. Hochzufrieden machte sich das Publikum auf den Heimweg – in beschwingter Stimmung, die man am liebsten bis ins Jahr 2019 hinüberretten möchte.

-SKB./Foto: Beckmann

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